Philippinen: „Die Bombe ging hoch, als das Halleluja gesungen wurde“

„Keine Worte können das Leid und die Trauer beschreiben, die wir durchleben“, erklärte Pater Romeo Saniel, der Apostolische Administrator des Apostolischen Vikariats Jolo, zum jüngsten Anschlag auf die Kathedrale der gleichnamigen südphilippinischen Insel gegenüber dem internationalen Hilfswerk «Kirche in Not». Am vergangenen Sonntag gab es 27 Tote und 110 Verletzte nach einem Anschlag auf die Kathedrale von Jolo.


„Die Menschen sind trotz aller Bedrohungen in ihrer Heimat geblieben. Ich glaube, sie sind wegen ihres christlichen Glaubens getötet worden“, sagte Saniel.
Bei zwei Sprengstoffdetonationen am Morgen des 27. Januar sind nach Angaben der katholischen Friedensinitiative „Duyog Marawi“ mindestens 27 Personen getötet und 110 Menschen verletzt worden. Ein Sprengkörper explodierte um 8:30 Uhr Ortszeit in der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“, in der zu diesem Zeitpunkt ein Sonntagsgottesdienst stattfand.

Während der Sonntagsmesse
„Die Bombe ging hoch, als gerade das Halleluja vor dem Evangelium gesungen wurde“, hat der Direktor des philippinischen Büros von «Kirche in Not», Jonathan Luciano, in Erfahrung gebracht. Während Sicherheitskräfte eintrafen, ging ein zweiter Sprengsatz auf dem Parkplatz vor der Kathedrale in die Luft.
Der oder die Täter konnten bislang nicht festgenommen werden. Auch hatte sich bis Sonntagabend keine Terrororganisation zu der Tat bekannt.
Unter den Todesopfern befinden sich 15 Kirchenbesucher und fünf Rettungskräfte. Auch unter den 110 Verletzten überwiegen die Zivilpersonen. „Einige der getöteten Personen waren meine Freunde“, teilte Saniel mit. „Die Freunde der Getöteten – Christen wie Muslime – sind in tiefer Trauer. Bitte beten Sie auch für die Familien der Soldaten, die getötet wurden, als sie helfen wollten.“

Anschlag von 'Abu Sajaf'?
„Duyog Marawi“ zufolge hatte es seit dem Jahr 2000 mindestens zehn Attacken gegen die Kathedrale gegeben. Die meisten konnten der islamistischen Miliz „Abu Sajaf“ zugeordnet werden. Die Einheit gilt als philippinischer Ableger von al-Kaida.
Beobachter sehen einen Zusammenhang mit dem Ausgang einer Volksabstimmung im Süden der Hauptinsel Mindanao, deren Ergebnisse am Freitag bekanntgegeben worden waren.
Nach jahrelangen Friedensgesprächen zwischen der philippinischen Regierung und der „Islamischen Befreiungsfront der Moro“ wurde im Jahr 2014 die Bildung einer neuen muslimischen autonomen Region Bangsamoro beschlossen.
Damit sollte ein Schlussstrich unter jahrzehntelange separatistische Aufstände gezogen werden. Die Mehrheit der Bevölkerung stimmte dem zu – nicht jedoch in der Provinz Sulu, deren Hauptstadt Jolo ist.
Die Insel Jolo gilt als Heimat der Terroristengruppe Abu Sajaf. Der überwiegende Teil der Einwohner der Provinz Sulu sind Muslime. Auf den Philippinen insgesamt stellen die Christen mit rund 91% die Mehrheit.

«Kirche in Not» finanzierte Projekte auf den Philippinen im Jahr 2017 im Umfang von CHF 1.05 Mio.

Fotos:

1)   Zerstörung auf den Philippinen (Symbolbild) (Bild: «Kirche in Not»)

2)   Jonathan Luciano, Direktor des philippinischen Büros von «Kirche in Not» (Bild: «Kirche in Not»)

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