Zentralafrikanische Republik: Die Zahl der Todesopfer des Massakers von Alindao steigt auf mehr als 80

ACN bewilligt zwei Hilfsprojekte, um die Christen zu unterstützen, die in eine völlig zerstörte Ortschaft zurückkehren. Die Zahl der Todesopfer nach den Terroranschlägen vom 15. November auf die Herz-Jesu-Kathedrale des Bistums Alindao sowie auf das daneben liegende Flüchtlingslager wächst ständig. Laut einem der Päpstlichen Stiftung Aid to the Church in Need  (ACN) vorliegenden Bericht sind es bereits mehr als 80 Tote. Was ist der Grund für diesen Gewaltausbruch gegen die Christen im Süden der Zentralafrikanischen Republik? Im erwähnten Bericht untersucht die Ortskirche das Geschehen und erklärt die Folgen dieser schrecklichen Ereignisse.


„Die Bevölkerung, die fast vollständig in den Dschungel geflohen war, kehrt nach und nach zurück, in der Hoffnung, ein paar Reiskörner zu finden. Die Menschen durchstöbern die Asche, um nach oberflächlich verbrannten Bohnen zu suchen“, so das von Bischof Cyr-Nestor Yapaupa von Alindao beschriebene, dramatische Szenario. Die Zahl der Todesopfer ist weiter gestiegen;, mittlerweile sind mehr als 80 Tote zu beklagen, darunter zwei Priester und zwei protestantische Pastoren, so eine Quelle aus dem Krankenhaus.

Laut der Ortskirche wurde das Flüchtlingslager, in dem mehr als 26 000 Menschen untergebracht waren und das von den Priestern der Diözese koordiniert wurde, völlig zerstört. „Ältere und behinderte Menschen wurden bei lebendigem Leib verbrannt, erschossen oder enthauptet“, fährt Bischof Yapaupa fort. „Im verzweifelten Wettlauf ums Überleben mussten viele in Panik geratene Eltern ihre Kinder im Stich lassen. Eine Mutter von Zwillingen musste eines ihrer Kinder zurücklassen, um das andere zu retten. Die Angreifer schossen aus nächster Nähe.“ Neben dem Verlust von Menschenleben „haben sie Feuer gelegt, und sowohl das Aufnahmezentrum als auch mehrere Kirchengebäude wurden verwüstet. Die Kathedrale verlor ihr Dach. Es wurden Autos, Motorräder, Solarpanele sowie Vorräte an Lebensmitteln, Geld und Treibstoff gestohlen.“

Ein zerrissenes Land

Heute gibt es mehr als 14 bewaffnete Gruppen in der gesamten Zentralafrikanischen Republik. Der Präsident Faustin Touadéra verfügt über keine Mittel, um diese in Folge des 2013 begonnenen Bürgerkrieges nach wie vor agierende Kräfte zu kontrollieren, im dem die Séléka – eine Koalition muslimischer Gruppen – gegen die Anti-Balaka – animistische, „anti-balles AK47“ genannte Selbstverteidigungsmilizen – kämpften. Muslimische Milizen der „Einheit für den Frieden in Zentralafrika“ (UPC), einer aus den ehemaligen Séléka abgespaltenen Gruppe, sowie weitere muslimische Milizen wurden als Täter der Anschläge vom 15. November verantwortlich gemacht: Warum haben die Spannungen gerade in Alindao zugenommen?

Alindao, „eine zu melkende Kuh“

Nach Aussage der UPC handelte es sich bei der Aktion um Notwehr, denn die Anti-Balaka von Alindao hätten am 14. und 15. November zwei Muslime getötet. Dementgegen weist der Bericht darauf hin, dass es eher der Mangel an Ressourcen der UPC sei, die Alindao als „ein florierendes Umschlagszentrum, eine zu melkende Kuh“ betrachte. Die im Oktober aus Bambari vertriebenen UPC musste den lokalen Viehhandel sowie die Gold- und Diamantenminen aufgeben. „Die wöchentlichen Geldsammlungen unter Kaufleuten zur Ernährung der Truppen riefen heftige Proteste hervor, so dass sich die UPC ein anderes Mittel zur Sicherung ihres Lebensunterhalts suchen mussten: Alindao und seine Kriegsbeute.“

Die Kirche als „Objekt der Begierde“

„Weil die katholische Kirche gut strukturiert und organisiert ist, ist sie ein wichtiger Gesprächspartner in der lokalen Krise“, so der afrikanische Bischof. Die Kirche unterhält Beziehungen zu humanitären Hilfsorganisationen, zum Präsidenten und zur MINUSCA (der Mission der Vereinten Nationen). Gleichzeitig ist sie „Objekt der Begierde“, eine Institution, die die Warlords zerstören wollen. Erklärt dies die Untätigkeit der mauretanischen UN-Truppen während der Angriffe in Alindao, die s „den Angreifern den Weg geebnet haben, weil sie ihre Mission zum Schutz der vertriebenen Bevölkerung nicht erfüllten?“ Der Bericht informiert darüber, dass „zwei Tage vor der Tragödie der für die UPC zuständige Beamte vom mauretanischen Kontingent empfangen wurde“. Das Bistum bezeichnet dieses Treffen als „einvernehmliche Planung“. Die drei Religionsführer der Zentralafrikanischen Republik – Kardinal Nzapalainga, Pastor Guerekoyame Gbangou und Imam Omar Kobine Layama – haben eine Untersuchung durch die internationale Gemeinschaft gefordert.

„Wir haben alles verloren, nur nicht den Glauben“

„Wir haben alles verloren, nur nicht den Glauben“, schließt der Bischof seine Ausführungen. „Wir können dem Feind ins Auge schauen, und ihm eine aufrichtige Vergebung anbieten, ohne der Rache oder der Angst nachzugeben.“

Aid tot he Church in Need stellt für die Gemeinde und für den örtlichen Klerus in dieser Situation völliger Verlassenheit 40.000 Euro zur Verfügung.

CENTRAL AFRICAN REPUBLIC / ALINDAO 18/00018    
1200 Missae ordinariae for 12 priests of the diocese of Alindao               

CENTRAL AFRICAN REPUBLIC / ALINDAO 18/00019
Emergency help for the diocese of Alindao (after events of 15 November 2018)     

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