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  • Tausende von Menschen leben in Manaus, Brasilien, in solch einfachen Hütten. (Bild: «Kirche in Not (ACN)»)
  • Um Strassenkinder kümmern sich in vielen Gebieten Brasiliens die Kirche. (Bild: «Kirche in Not (ACN)»)
  • Jugendliche während einer Wallfahrt in Manaus, Brasilien. (Bild: «Kirche in Not (ACN)»)
  • Im Erzbistum Manaus leben auch Flüchtlinge aus Venezuela. Sie mussten ihr Land verlassen und fanden hier eine neue Bleibe. (Bild: «Kirche in Not (ACN)»)

Amazonien - Für einen Hauch Leben im Kampf gegen COVID

In den letzten Januartagen stellte Brasilien einen traurigen neuen Rekord auf: Die Zahl der Todesopfer durch die Covid-19-Pandemie erreichte die 220 000-Marke. Damit weist das südamerikanische Land die zweithöchste Anzahl an durch diese Krankheit verursachten Todesfällen in der Welt auf. In dieser Situation leidet das oft als „die Lunge der Welt“ bezeichnete Amazonasgebiet ironischerweise unter dem Mangel an etwas sehr Lebensnotwendigem: an Sauerstoff.

Zu den traurigen Bildern von überfüllten Krankenhäusern und überstürzten Totenwachen mit wenigen Familienangehörigen kommt in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, noch eine grössere Tragödie hinzu: die Beschaffung einer Sauerstoffflasche. Die Menschen lassen ihre Angehörigen in den Krankenhäusern allein und machen sich verzweifelt auf die Suche nach dieser für die Versorgung der vom Coronavirus Betroffenen lebenswichtigen Quelle. Dafür setzen sie ihre Ersparnisse ein und verschulden sich nicht selten mit Krediten, um die hohen Kosten zu decken und so ihren Angehörigen ein paar Stunden mehr Lebenszeit zu ermöglichen.

Zusammenbruch des Gesundheitssystems
Manche Angehörige versichern, etwa 900 € bezahlt zu haben, um drei weitere Stunden Sauerstoff, also drei weitere Stunden Leben, zu sichern. Dieser Betrag übersteigt den vierfachen Lohn einer Familie im Amazonasgebiet. Dank einem von der lokalen Kirche gesendeten Notruf konnten Gelder gesammelt werden, um den dringendsten Bedarf zu decken. Trotz aller Bemühungen sind in weniger als einer Woche mehr als fünfzig Patienten in diesem brasilianischen Bundesstaat an Sauerstoffmangel gestorben. Weitere starben, weil es auf der Intensivstation zu wenig Betten gab, oder weil sie nicht in andere Krankenhäuser verlegt werden konnten. Insgesamt starben in Manaus allein im Januar 2195 Menschen an Covid-19, was einem Anstieg von mehr als 700% im Vergleich zum Monat Dezember 2020 entspricht. Der Zusammenbruch des Gesundheitssystems ist noch nicht überwunden. Noch heute warten mehr als 600 Menschen mit Covid-19 im Bundesstaat Amazonas auf ein Krankenhausbett, und die Vorräte an Sauerstoffflaschen sind immer noch am Limit.
Das Problem hat inzwischen auch andere Orte in Amazonas sowie in weiteren nordbrasilianischen Bundesstaaten erfasst. In einem Gespräch mit «Kirche in Not (ACN)» sagte Erzbischof Leonardo Steiner von Manaus, in einer Region, in der die Zufahrtswege Flüsse sind, unternehme die Kirche grosse Anstrengungen, um sich bei der Hilfsarbeit mit den anderen Bischöfen abzustimmen: „Auf diese Weise ist es möglich, den grössten Bedarf festzustellen und zu erkennen, wie wir uns gegenseitig unterstützen und helfen können. Die grösste Schwierigkeit sind die Entfernungen und der Zugang zu Krankenhäusern, die den Schwerstkranken helfen können. Heute konnten wir Sauerstoff in mehrere Städte schicken, was eine große Hilfe war. Wir suchen jetzt nach Mini-Anlagen für die Produktion von Sauerstoff, die mehrere Probleme lösen würden.“

Auch Priester starben
Der Zusammenbruch des Gesundheitssystems in Amazonas hat viele Menschen ins Elend gestürzt: „Die Zahl der Armen ist gewachsen. Ebenso ist es schwieriger geworden, Nahrung für die auf der Strasse lebenden Brüder und Schwestern zur Verfügung zu stellen“, so Bischof Steiner weiter. Als Reaktion darauf hat die lokale Kirche ihre Hilfe für die Menschen intensiviert, die auf der Strasse leben. Erzbischof Steiner versichert: „Wie antworten auf den gestiegenen Bedarf, unsere bedürftigsten Brüder und Schwestern insbesondere in der Beschaffung von Lebensmitteln zu betreuen, indem wir nach mehr Mitteln suchen. Nach der zweiten Coronawelle werden wir noch viel ärmer sein, als wir es jetzt schon sind. Wir haben ausserdem den Tod von drei Priestern und vielen Mitgliedern unserer Gemeinden zu beklagen.“

Hilfe ist dringend nötig
«Kirche in Not (ACN)» hat angeboten, die Kirche in den am meisten benachteiligten Regionen im Amazonas-Gebiet zu unterstützen. „Wir haben mehreren Diözesen in den Regionen Hilfe angeboten. Wir hoffen, eine konkrete Antwort auf die aktuelle Krise geben zu können. In der Zwischenzeit helfen wir der brasilianischen Kirche weiterhin, ihre Mission fortzusetzen, den Bedürftigsten während der Pandemie geistliche und auch materielle Unterstützung zu bringen“, erklärt der Projektleiter von «Kirche in Not (ACN)» für Brasilien Rafael D'Aqui. „Im Jahr 2020 machten es Hunderte von Projekten möglich, dass Priester, Ordensleute und Missionare unter Beachtung der Gesundheitsprotokolle ihre heroische Arbeit fortsetzen konnten. Das  Hilfswerk zählt wieder einmal auf ihre Wohltäter, um denen zu helfen, die am meisten leiden.“
Erzbischof Steiner bedankt sich für die Solidarität so vieler Wohltäter: „Es ist erfreulich, die Hoffnungsbotschaften zu lesen, die uns viele Menschen schicken; es ist ermutigend, die Gegenwart von Papst Franziskus mit seinen Worten und seiner grosszügigen Hilfe zu spüren. Der brasilianischen Kirche tut es gut zu sehen, dass die Welt uns mit Worten und Spenden unterstützt. Die Pandemie selbst führt uns dazu, über den Wert des Lebens, über die Vergänglichkeit der Dinge, das Wesen unserer Existenz sowie über die Schönheit und Freude des Evangeliums nachzudenken. Gerade in der Zeit der Trauer und des Kummers fühlen wir uns noch mehr als Familie und einander nahe. Gott ist so präsent unter uns, er ist greifbar“.