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  • Straßenszene in Kabul. © Bodow/Wikimedia Commons
  • Gebirgszug im Norden Afghanistans. © Babasteve/Wikimedia Commons
  • Flagge von Afghanistan. © DQttwo/Wikimedia Commons

Afghanistan: „Zurzeit ist Gebet die einzige Hilfe, die wir leisten können“

Pater Giovanni Scalese, Barnabitenpriester aus dem Orden der Regularkleriker vom heiligen Paulus und Oberer der Missio sui iuris in Afghanistan, sprach in einem Interview mit dem internationalen Hilfswerk "Kirche in Not (ACN)" über seine Flucht vor den Taliban, die Evakuierung und den Rückführung nach Europa.

„Dass wir aus Afghanistan entkommen konnten, ist ein Wunder. Am Tag nach unserer Ausreise ereignete sich der Bombenanschlag am Flughafen von Kabul. Dann hätten wir vielleicht nicht mehr aus dem Land kommen können.“ Dies berichtete Pater Giovanni Scalese in einem Interview mit der spanischen Sektion des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“. Der gebürtige Italiener, der dem Orden der Barnabiten angehört, leitete seit 2014 die Mission sui juris Afghanistan. Dabei handelt es sich um eine direkt dem Papst unterstellte Organisationseinheit in Gebieten der Weltkirche, wo es keine Diözesen gibt.  
 
Vor der Eroberung durch die Taliban lebten 200 Katholiken in Afghanistan 
 
Der Bevollmächtige des Barnabitenordens beim Heiligen Stuhl, Generalprokurator Pater José Carbajal, erklärte gegenüber „Kirche in Not“: „Unsere Mission war in der italienischen Botschaft in Kabul angesiedelt. Dort war Pater Caleses im SeelsorgeEinsatz für die Botschaftsmitarbeiter und Katholiken aus anderen diplomatischen Vertretungen. Für die anderen Ordensgemeinschaften, die in Afghanistan tätig waren, stellte unsere Mission einen Stützpunkt dar, an dem sich alle getroffen haben.“ Laut dem Päpstlichen Jahrbuch „Annuario Pontificio“ lebten 2020 rund 200 Katholiken in Afghanistan. Zwei Priester, sechs Ordensfrauen und zwei Ordensmänner waren dort tätig. 
 
Bis zur Einnahme Kabuls durch die Taliban sei die Situation laut Carbajal „relativ ruhig“ gewesen. Trotz der kleinen Zahl von Gläubigen und diverser Einschränkungen habe es „ein ziemlich normales kirchliches Leben“ gegeben. „Es gab Momente der Krise, aber es ist immer gelungen, die missionarische Tätigkeit aufrechtzuerhalten“, sagte der Generalprokurator.  
 
„Schutz der Muttergottes deutlich gespürt“ 
 
Mit der Machtübernahme durch die Taliban hat sich die Situation dramatisch verändert. „Fast alle Katholiken haben Afghanistan verlassen“, erklärte Pater Scalese nach seiner Ausreise. Die Taliban hatten die Hauptstadt Kabul am 15. August eingenommen. Bei einem Terroranschlag in der Nähe des Flughafens am 26. August waren 183 Menschen ums Leben gekommen.  
 
„Zurzeit ist Gebet die einzige Hilfe, die wir leisten können“, sagte der Ordensmann. Er erinnerte daran, dass „unsere Mission in Afghanistan am 13. Oktober 2017, am Ende der Feiern zum hundertsten Jahrestag der Marienerscheinungen in Fatima, dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht wurde.“ Am Tag der Evakuierung hätten er und seine Mitreisenden „den Schutz der Muttergottes“ deutlich gespürt. Pater Scalese äußerte den Wunsch, „die Gottesmutter möge alle Menschen in Afghanistan beschützen.“ 
 
Weitere Informationen zur religiösen Lage vor der Einnahme Afghanistans durch die Taliban enthält der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von „Kirche in Not“: acninternational.org/religiousfreedomreport/de/reports/af/ 
 
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