Skip to navigation (Press Enter) Skip to main content (Press Enter)
  • Einmalige Lebensmittel- und Hygienekorbunterstützung für die Christen von Aleppo während der Covid-19-Pandemiekrise (Coronavirus-Pandemie). Erzbischof Jean-Clément Jeanbart.Bild: Kirche in Not
  • Erzbischof Samir Nassar von der Erzeparchie von Damaskus (Maroniten) in Syrien. Er weihte Syrien der Muttergottes von Fatima im Heiligtum von Fatima.Bild: Santuario de Fatima
  • Küche für IDPS und arme Familien, sowohl Muslime als auch Christen. Hier werden die Leute mit einer warmen Mahlzeit versorgt.Bild: Kirche in Not
  • Projekt für warme Mahlzeiten des Armenisch-Orthodoxen Hilfskreuzes - 2021.Bild: Kirche in Not

Die Sanktionen - Syriens neuer Kreuzweg

Der maronitische Erzbischof Samir Nassar von Damaskus hat die internationalen Sanktionen gegen Syrien scharf kritisiert, da sie „das Land lähmen und diejenigen, die den Bürgerkrieg überlebt haben, in bittere Armut stürzen“.

In einer Botschaft, die dem katholischen Hilfswerk "Kirche in Not (ACN)" vorliegt, sagte Erzbischof Samir Nassar, die Wirtschaftskrise in Syrien habe zu einem totalen Chaos geführt. Tag und Nacht müssten die Familien in „unendlich langen Schlangen“ anstehen, um Lebensmittel zu bekommen. Diese chaotische Szenerie sei zur Norm geworden.

Es sei der Ort, an dem die Leute „Geduld lernen, ihre neuen Nachbarn kennenlernen, ihre Wut kontrollieren und in Stille ihren Rosenkranz beten.

Aber vor allem ist es der Ort, an dem sie diesen Kreuzweg durchleben können, ohne sich allzu sehr zu beschweren“.

Laut Erzbischof Nassar sind die internationalen Sanktionen einer der Hauptfaktoren, die zu der aktuellen Situation in Syrien geführt haben. Er sagte: „Äussere Gesetze, die Staaten und Menschen bestrafen, die es wagen, Hilfe nach Syrien zu schicken, tragen zu den ungerechten Sanktionen bei und vervielfachen die Engpässe.“

Eine Kombination verschiedener Ursachen, darunter internationale Sanktionen und der finanzielle Zusammenbruch des wichtigsten Handelspartners Libanon, hätten die Lebensmittelpreise in Syrien in die Höhe schnellen lassen. Vor dem Ausbruch der Kämpfe im Jahr 2011 habe ein 2kg-Laib Brot etwa 15 Syrische Pfund gekostet. Heute koste ein 1kg-Laib zwischen 100 und 500 Syrische Pfund. Im Februar 2020 habe die syrische Regierung „Smart Cards“„ eingeführt, mit denen Familien Zugang zu rationierten Mengen von Grundnahrungsmitteln wie Brot, Reis und Tee zu subventionierten Preisen hätten. Aber um diese Waren zu erhalten, müssen sie – oft mehrere Stunden - in langen Schlangen warten.

Erzbischof Nassar berichtete: „In Syrien gehen die Menschen sehr früh am Morgen aus dem Haus, um einen Platz in der Schlange vor den Bäckereien, den Lebensmittelläden, Tankstellen und Bushaltestellen zu bekommen.“ Er fügte hinzu: „Langes Stehen ist an sich schon ermüdend, also bringen einige Klapphocker mit, während andere sich auf den Boden setzen. Behinderte und ältere Menschen werden vorgelassen. Ungeduldige Militärangehörige reihen sich jedoch selten in die Warteschlange ein.“

Laut Erzbischof Nassar müsse die internationale Gemeinschaft ihren Teil der Verantwortung für die aktuelle Situation übernehmen. Er erklärte auch, dass die derzeitige Situation bedeute, dass die Syrer nicht beginnen können, den Bürgerkrieg hinter sich zu lassen, der nach Schätzungen des Gesandten der UN und der Arabischen Liga in Syrien 400 000 Menschen getötet habe.

Die Aussagen des maronitischen Erzbischofs entsprechen denen, die der melkitische griechisch-katholische Erzbischof Jean-Clément Jeanbart von Aleppo Anfang des Jahres gegenüber ACN geäußert hatte. Er hatte gesagt: „Die Sanktionen haben kein anderes Ergebnis, als dass die Menschen leiden, verarmen und verelenden. Sie haben keinen Einfluss auf die Regierung und ihre Politik, denn die Regierung ist weit entfernt von den Auswirkungen der Sanktionen.“

Seit dem Beginn des Konflikts in Syrien hat ACN Nothilfe für Syrien geleistet und Lebensmittelkörbe, Milch und Medikamente zur Verfügung gestellt sowie die grundlegenden Lebenshaltungskosten, einschließlich Heizung und Beleuchtung, übernommen, wobei die Ärmsten, die Kranken und die älteren Menschen Vorrang hatten.

Die Hilfsorganisation setzt sich dafür ein, den Christen zu helfen, in ihrer Heimat zu bleiben, obwohl über einen starken Rückgang der Zahl der Gläubigen berichtet wird, von denen viele sowohl vor Verfolgung als auch vor bitterer Armut geflohen sind.