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  • Bischof Pierr-André Dumans vor der zerstörten Kirche in der Diozöse Anse-à-Veau und Miragoâne nach dem Erdbeben vom 14.08.2021.Bild: Kirche in Not (ACN)
  • Strassenzug in Haiti nach dem Erdbeben vom 14.08.2021.Bild: Kirche in Not (ACN)
  • Strassenzug in Haiti nach dem Erdbeben vom 14.08.2021.Bild: Kirche in Not (ACN)
  • Der Eingang der Schule, das Gesundheitszentrum und der Kirche des Presbyteriums der Pfarrei Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe von Latiboliere der Diözese Jeremie wurden durch das Erdbeben vom 14.08.2021 schwer beschädigt.Bild: Kirche in Not (ACN)

HAITI: „Die Zahlen sind erschreckend, aber sie sind nicht mehr als eine vage Andeutung des Leids, das die Bevölkerung ertragen muss“, so der Leiter des ACN-Büros Lateinamerika

In einem Telefonat mit der päpstlichen Stiftung «Kirche in Not (ACN)» (ACN International), einem internationalen katholischen Hilfswerk, schilderte Kardinal Chibly Langlois, Bischof der Diözese Les Cayes, die schreckliche Lage, in der sich die Bevölkerung Haitis befindet. „Bis jetzt haben wir immer noch keine Zelte bekommen. Die Menschen schlafen auf dem Boden. Es gibt kein Wasser, keinen Strom, keine Lebensmittel, keine Kleidung.“

Viele der Menschen sind traumatisiert und einige wissen nach wie vor nicht, was ihren Angehörigen zugestossen ist. Es gibt weiterhin Nachbeben. Was den materiellen Schaden angeht, wird das Gesamtbild der Zerstörung durch das Erdbeben erst nach und nach sichtbar. ACN hat lediglich einen Teilbericht erhalten, da es bisher nicht möglich war Informationen zu allen Gemeinden der Diözese Les Cayes zu erhalten. Bisher waren in der Diözese insgesamt 682 Tote zu vermelden, 2175 Verletzte und beinahe 11 500 zerstörte Häuser. Darüber hinaus wurden 135 Kirchen zerstört und 111 mehr oder weniger schwer beschädigt.

Kardinal ohne Telefon
„Ich danke Ihnen dafür, dass Sie sich Sorgen um unsere Diözese machen. Ich bin bewegt von Ihre Nähe, besonders in dieser schwierigen Zeit nach dem Erdbeben“, sagte der Kardinal. „Wie durch ein Wunder sind wir unverletzt geblieben, aber viele Menschen haben ihr Leben verloren, darunter Pater Jacques Percy, ein Priester im Ruhestand, der im Haus des Bischofs lebte. Bitte gedenken Sie seiner in Ihren Gebeten“, so Kardinal Langlois «Kirche in Not (ACN)».
„Die Zahlen sind erschreckend, aber sie sind nicht mehr als eine vage Andeutung des Leids, das die Bevölkerung ertragen muss“, erklärte Rafael D’Aqui, «Kirche in Not (ACN)»-Projektreferent für Lateinamerika, der auch für Haiti zuständig ist. „Wir verfolgen die Ereignisse vor Ort genau, aber es ist kompliziert. Die Kommunikation per Telefon ist schwierig und die Infrastruktur in den betroffenen, weit von der Hauptstadt entfernten Diözesen ist stark beschädigt.“
„Das Haus des Bischofs ist eingestürzt und alles liegt in Trümmern. Es versteht sich von selbst, dass eine der dringendsten Aufgaben, bei denen «Kirche in Not (ACN)» helfen möchte, darin besteht, der Diözese eine neue Operationsbasis zur Verfügung zu stellen und sie so auszustatten, dass sie die Hilfe koordinieren und die Versorgung der Menschen in dieser äusserst schwierigen Zeit gewährleisten kann. Ausserdem müssen der Bischof und seine engsten Mitarbeiter ein Dach über dem Kopf erhalten, sie haben schliesslich alles verloren. Wir hatten sogar enorme Schwierigkeiten den Kardinal zu erreichen, da er nicht einmal mehr sein Mobiltelefon hat“, ergänzte Rafael D’Aqui.

Zerstörte Schulen, Kirchen und Pfarrhäuser
Laut Quellen von «Kirche in Not (ACN)» kommt es wiederholt zu Überfällen auf die Lkw, die von der Hauptstadt Port-au-Prince nach Les Cayes fahren. Aber wenigstens ist die Strasse von Les Cayes nach Jeremie jetzt wieder offen. Das ist für die ebenfalls vom Erdbeben sehr schwer betroffene Diözese Jeremie extrem wichtig, denn dies ist die einzige Zufahrtsstrasse zur Stadt.
Anhand der von der Diözese Jeremie übermittelten Informationen schätzt «Kirche in Not (ACN)», dass insgesamt 26 Kirchen – das ist beinahe die Hälfte aller Kirchen der Diözese (44,8%)  – sehr stark beschädigt sind. Dazu zählt auch die Kathedrale von Saint Louis, und mindestens elf dieser Kirchen sind komplett zerstört. Weitere elf Kirchen sind ohnehin nur noch Trümmer, sie wurden von 2016 von Hurricane Matthew zerstört. Insgesamt 37 von 58 Kirchen der Diözese (63,7%) sind zerstört, während 32 Pfarr- oder Gemeindehäuser (69,5%) schwer beschädigt sind. Insgesamt 25 Gemeindeschulen und 11 Gesundheitszentren der Gemeinden vervollständigen die Liste der beschädigten Gebäude in der Gemeinde.
Bischof Joseph Gontrand Decoste von der Diözese Jeremie übersandte den Wohltätern von «Kirche in Not (ACN)» seinen „tief empfundenen Dank für Ihre spirituelle Nähe, Ihre praktische Solidarität, Ihre moralische und spirituelle Unterstützung und jegliche Unterstützung, die Sie der Diözese gewährt haben, um ihr zu helfen, diese katastrophale Situation zu bewältigen, die so viel Pein und Leid mit sich bringt.“

Soforthilfe für die Ärmsten der Armen
Das erste Soforthilfeprojekt von «Kirche in Not (ACN)» umfasst die Unterstützung von 45 Familien in der Diözese Jeremie. „Die Situation ist untragbar. Die Menschen haben zu viel Angst, in ihre Häuser zurückzukehren. Wir müssen Lebensmittel, Medikamente und Notunterkünfte für diese Menschen zur Verfügung stellen. Das ist im Augenblick am wichtigsten.“ Dies sagte Pater Jean-Jacques Saint-Louis, Provinzoberer der Montfortaner Patres in Haiti. Drei der Ordensbrüder, die in den vom Erdbeben betroffenen Gebieten in drei noch sehr jungen Gemeinden arbeiten und dort bisher noch keine organisatorischen Strukturen aufgebaut haben, haben gemeinsam die bedürftigsten Familien ermittelt.
Und Pater Jean-Jacques Saint-Louis  weiter „Ich zähle auf Ihre Gebete und Ihre Unterstützung in diesen Momenten grossen Leids. In diesen schwierigen Zeiten in unserem Land sollte das Gebet einen besonderen Stellenwert einnehmen. Vielen Dank, dass Sie Haiti mit Ihren Gebeten begleiten.“