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  • Nadeem Joseph gilt als "George Floed (Floyd) von Pakistan" Bildmontage: Samson Salamat
  • Ein Christ, der im Bezirk Gulshan Iqbal Town, einem Slumgebiet Pakistans, wohnt.
  • Christen, die im Bezirk Gulshan Iqbal Town, einem Slumgebiet Pakistans, leben, sind Gewalt und Mordanschlägen ausgesetzt.
  • Rev. Joseph Arshad, Erzbischof von Islamabad-Rawalpindi und Präsident der Bischofskonferenz von Pakistan.

Pakistan: Weil er in einem muslimischen Stadtviertel wohnte, wurde ein Christ getötet

Der jüngste Angriff auf einen Christen hat den Schmerz und die Angst unter den Christen in ganz Pakistan verstärkt. Seit dem Ausbruch der Pandemie haben die Fälle religiöser Gewalt und Diskriminierung gegen sie im Land zugenommen. Die Ermordung von Nadeem Joseph hat zu zahlreichen Protesten seitens der christlichen Gemeinschaft in Pakistan geführt. Einige vergleichen seinen Fall mit dem von George Floyd in den Vereinigten Staaten.

„Es ist schrecklich. Ich kenne Nadeems Familie, weil sie zu denen gehört, die den Terroranschlag auf die Allerheiligenkirche im Jahr 2013 überlebt haben, bei dem allerdings weitere Angehörige der Familie starben“, erzählt Qamar Rafiq, ein Bekannter der Familie, im Gespräch mit dem internationalen Hilfswerk «Kirche in Not (ACN)». „Der Angriff auf Nadeems Familie zeigt, wie verletzlich die Christen in Pakistan sind und wie leicht sie Opfer von Gewalt werden können.“

Er musste sterben, weil er Christ war
„Nadeem kaufte im Mai ein Haus in der TV-Kolonie in Swati Gate, Peshawar. Er lebte mit seinen beiden Kindern, seiner Frau und seiner Schwiegermutter zusammen. Nadeems Familie wurde wiederholt von einem muslimischen Nachbarn schikaniert und bedroht. Er wollte ihn zwingen, das Stadtviertel zu verlassen und an einen anderen Ort zu ziehen, da dieser Ort ‚nicht für schmutzige Christen’ sei“, erklärt Rafiq.
„Am 4. Juni bedrohten der Nachbar und seine Kinder wieder einmal Nadeems Familie. Sie forderten sie auf, die Gegend innerhalb von 24 Stunden zu verlassen oder sich darauf einzustellen, dass sie ernsthafte Konsequenzen zu tragen haben. Denn sie seien in ein muslimisches Viertel gezogen“, sagt Rafiq. Nadeem informierte sofort die Polizei über die anhaltenden Drohungen. Bevor sie jedoch eintreffen konnte, eröffnete der Nachbar das Feuer auf Nadeem und schoss dreimal auf ihn und auf zwei weitere Familienmitglieder, die ihm zu Hilfe eilten. „Nachbarn, die die Schüsse hörten, schlossen ihre Türen; niemand kam, um den Verletzten zu helfen oder einen Krankenwagen zu rufen“, fügt Rafiq hinzu. Nach mehreren Operationen im Lady Reading Nadeem Hospital starb Nadeem am 29. Juni.

Diskriminierung im Alltag
In einer von der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCPJP) veröffentlichten Erklärung rief Bischof Joseph Arshad, der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz Pakistans, die Ordnungskräfte auf, alles zu tun, um den Schuldigen an der Ermordung dieses Christen vor Gericht zu bringen. „Dieser Fall stellt eine klare Verletzung der Menschenrechte und der Gesetze dar. Er darf nicht ungestraft bleiben“, heisst es in der Erklärung, in der ausserdem die Regierung aufgefordert wird, die Familie von Nadeem zu schützen, deren Leben weiterhin in Gefahr ist.
Joel Amir Sahotra, ehemaliges Mitglied der Provinzversammlung von Punjab und Oberhaupt der christlichen Gemeinschaft, sagte im Gespräch mit dem portugiesischen Büro von «Kirche in Not (ACN)», dass „religiöse Diskriminierung von Minderheiten in Pakistan leider sehr verbreitet ist. Die Menschen sind nicht bereit, ihre Wohnungen an Nicht-Muslime zu vermieten Oft sagen sie sogar offen, dass Nichtmuslime sie nicht betreten dürfen. Wie in der Steinzeit!“, so Sahotra. „Was ist das für eine Denkweise? Ich habe wirklich keine Antwort. Ich weiss nicht, ob die Menschen im Westen diese schwierige Situation verstehen können, in der wir uns wegen unserer Religion hier in Pakistan befinden.“