Flüchtlinge in Nigeria, die von ACN unterstützt werden. (Foto: ACN)

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Vertreter der katholischen Kirche setzen sich für das Recht der Binnenvertriebenen auf Rückkehr ein.
Vom IS zerstörte Häuser in der Ninive-Ebene im Irak nach der Vertreibung der Terroristen 2018. (Foto: ACN)

Die Rückkehr Tausender vertriebener Christen in ihre Heimatregionen im Irak, die nach der Niederlage des IS von KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt wurde, könnte als Vorbild dienen, um auf die Krise zu reagieren, unter der die christlichen Gemeinschaften im nigerianischen Middle Belt leiden.
Am 6. August 2014 überrollte der IS die Ninive-Ebene, die historische Wiege der Christen im Irak, und zwang Hunderttausende Menschen, von einem Tag auf den anderen nach Erbil und in andere Regionen des irakischen Kurdistans zu fliehen.
In den folgenden drei Jahren lebten Tausende von Familien in Wohnwagen, in Vertriebenenlagern, in gemieteten Wohnungen oder bei Gastfamilien. Nach der Befreiung von Mossul, Qaraqosh und anderen Ortschaften in der Ninive-Ebene hat ACN das Programm „Rückkehr zu den Wurzeln“ gefördert und unterstützt. Ziel dieses Projekts war es, die zerstörten Häuser, Kirchen und Schulen wieder aufzubauen, damit diejenigen, die dies wünschten, auf ihr Land zurückkehren und das christliche Leben in der Region wiederbeleben konnten.
Heute, Tausende Kilometer entfernt, sind Millionen von Christen im nigerianischen Middle Belt in einen Kreislauf aus Gewalt und Zwangsvertreibungen gefangen. Durch häufige und oft ungestrafte Terroranschläge von ihrem Land vertrieben, leben viele von ihnen seit fast zwanzig Jahren in Lagern, während sich die Zerstörung in der gesamten Region weiter ausbreitet.
Diese massive Vertreibung ist auf Angriffe radikalisierter nomadischer Fulbe-Hirten zurückzuführen, die das fruchtbare Land als Weideland nutzen wollen. Die Mehrheit dieser Hirten gehört der traditionell muslimischen Volksgruppe der Fulbe an, was einer ohnehin schon ethnisch und sozial explosiven Situation eine religiöse Dimension hinzufügt.
Der Bundesstaat Benue ist einer der am stärksten betroffenen. Dort gibt es mehr als zwei Millionen Vertriebene, von denen 98 % Christen sind. Die nigerianische Regierung schlägt eine Umsiedlungspolitik vor, während die Ortskirche es vorzieht, sich dafür einzusetzen, dass die Vertriebenen ihren Wunsch nach einer Rückkehr in ihre angestammten Gebiete verwirklichen können.
Die Ortskirche ist der Ansicht, dass die von der Regierung vorgeschlagenen Umsiedlungslösungen ungerecht wären, da sie die demografischen Veränderungen in den umstrittenen Gebieten bestätigen und auf Dauer festschreiben würden. Außerdem hätten sie negative Auswirkungen auf die menschliche Entwicklung.
Hunderttausende Flüchtlinge gibt es in Nigeria - viele davon Christen. (Foto: ACN)

Ein Junge in einem nigerianischen Flüchtlingslager. (Foto: ACN)

Pater Remigius Ihyula, Priester der Diözese Makurdi, die besonders stark von dieser Krise betroffen ist, erklärt gegenüber ACN:
„Die Überlebenden, die in den Lagern oder in Aufnahmegemeinden leben, waren gezwungen, gefährliche Überlebensstrategien anzuwenden, darunter Kinderarbeit, Prostitution und Frühehen. Wir stellen zudem einen Anstieg des Drogenkonsums und des Drogenhandels fest.“
Solange diese Situation anhält, so Pater Remigius, werden auch künftige Generationen schwerwiegende Folgen zu spüren bekommen – aufgrund einer „Schulabbrecherquote von über 90 Prozent, des völligen Mangels an Gesundheitsinfrastruktur sowie fehlender psychosozialer Unterstützung oder Traumabegleitung“.
Auch wenn die Umsetzung des Rückkehrrechts für Vertriebene schwierig erscheinen mag, zeigen die Erfahrungen von ACN, dass dies erfolgreich gelingen kann.
„Im Irak haben KIRCHE IN NOT (ACN) und seine kirchlichen Partner Geschichte geschrieben, als zwischen 2017 und 2019 mehr als 50 % der Binnenvertriebenen in neun vom IS zerstörte Dörfer in der Ninive-Ebene zurückkehrten. „Dieses Ereignis gilt nach wie vor als Massstab für viele Organisationen, wobei einige Ninive sogar als das erfolgreichste Beispiel für die Rückkehr von Binnenvertriebenen in der jüngeren Geschichte betrachten“, erklärt Mark von Riedemann, Leiter für öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit bei ACN.
Mark von Riedemann ist der Ansicht, dass in Nigeria ein ähnlicher Erfolg erzielt werden könnte, wenn die nigerianische Regierung – wie im Irak – eng mit den lokalen kirchlichen Strukturen in den betroffenen Regionen zusammenarbeiten und von ausländischen Regierungen unterstützt würde. Ein erfolgreiches Projekt im Bundesstaat Benue könnte auch als Vorbild für andere Regionen Nigerias dienen, die mit massiven Bevölkerungsverschiebungen konfrontiert sind, insbesondere für den Bundesstaat Borno.
Ein Flüchtlingscamp in der Diözese Makurdi, Nigeria. (Foto: ACN)

P. Remigius Ihyula mit freiwilligen Helfern von KIRCHE IN NOT (ACN) in Nigeria. (Foto: ACN)

Es muss einen Ruck durch die nigerianische Gesellschaft gehen Mir ist ist es wichtig, dass die Christen in Nigeria in Frieden leben können, deshalb unterstütze ich das Vorhaben von P. Remigius, der die ‚Lagerkultur‘ hinter sich lassen und den Einwohnern von Benue ihre Würde zurückgeben will. Dadurch soll das soziale und wirtschaftliche Gefüge ins Gleichgewicht kommen und die Menschen sollen wieder selbstständig handeln können.
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