Die Olivenbäume von Latrun nach dem Brand

Die Olivenbäume von Latrun nach dem Brand

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Jerusalem: Die Abtei von Latrun heilt die Wunden des Brandes von 2025

Die Abtei Notre-Dame de Latrun, 15 km westlich von Jerusalem an der Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland gelegen, erholt sich von den Folgen des verheerenden Brandes im Frühling 2025, der ihre Olivenhaine und Weinberge zerstörte – jene, aus denen der bei Pilgern im Heiligen Land bekannte Wein von Latrun stammt.

Jacques Berset, für ACN

Am 30. April 2025 verwüstete ein gewaltiger Brand, angefacht durch den «Chamsin», einen kraftvollen, glühend heissen Wüstensandwind, alles auf seinem Weg und hinterliess 2'400 Hektar verbrannter Erde. Über 70 % der Pinien des Canada Parks – im Westjordanland gelegen und auf den palästinensischen Dörfern Amwas (Emmaus), Yalou und Beit Nuba errichtet, die nach dem Sechstagekrieg von der israelischen Armee dem Erdboden gleichgemacht worden waren – wurden vernichtet. Unweit davon wurden auch die Ländereien der Abtei von Latrun vom Feuersturm verwüstet.

Dieser Brand ist ein weiterer schwerer Schlag für die lokalen christlichen Gemeinschaften, die bereits durch den Rückgang der Pilgerzahlen seit Covid, das erneute Aufflammen des Konflikts im Heiligen Land seit dem 7. Oktober 2023 sowie den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran, der am 28. Februar 2026 begann, geschwächt sind.

Bruder Athanase, Mönch im Zisterzienserkloster von Latrun

Bruder Athanase, Mönch im Zisterzienserkloster von Latrun

Das Kloster verschont, doch die Felder zerstört

Bruder Athanase, verantwortlich für Kommunikation und Projektfinanzierung der Abtei von Latrun, hielt sich bei den Zisterzienserinnen der Abtei Fille-Dieu bei Romont auf und vertraute ACN an, dass dieser Brand grosse Auswirkungen auf die Ressourcen des im Westjordanland gelegenen Klosters – in Zone C, die vollständig unter israelischer Kontrolle steht – hat. Vor dem Brand belief sich die jährliche Weinproduktion auf rund 100'000 Flaschen, bei einem Weinberg von etwa 17 Hektar.

Nicht nur wurden 5 Hektar Reben vollständig zerstört, auch die Hitze des Feuers beschädigte die noch heranreifenden Trauben in Bereichen, die vom Feuer selbst verschont geblieben waren. Laut Bruder Aloïs, der für den Weinbaubetrieb zuständig ist, konnten im vergangenen Jahr nur 50 Tonnen Trauben geerntet werden – das entspricht 33 % der üblichen Produktion.

80 bis 90 % der Olivenbäume vom Feuer betroffen

«Wir mussten Trauben von auswärts zukaufen, da unsere eigene Produktion nicht ausreichte, um den Klosterladen zu beliefern. Zudem wurde das gesamte Bewässerungssystem zerstört, die Leitungen sind geschmolzen. Wir haben eine Kampagne gestartet, um die Bewässerung wiederherzustellen», erklärt Bruder Athanase. Auf den vom Feuer betroffenen Flächen wird nun Weizen angebaut, um die Bodenfruchtbarkeit wiederherzustellen, bevor in einigen Jahren erneut Reben und Olivenbäume gepflanzt werden.

Die Abtei bewirtschaftet einen 30 Hektar grossen Olivenhain, von dem 25 Hektar stark unter dem Brand gelitten haben. 80 bis 90 % der Olivenbäume wurden vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen, wobei nicht alle vollständig zerstört wurden. 1'000 der 5'000 Bäume sind vollständig verbrannt, die übrigen Olivenbäume wurden beeinträchtigt, ihre Kronen sind verkohlt.

130 Jahre alte Olivenbäume bis zu den Wurzeln verbrannt

«Diese werden erst in vier Jahren wieder Früchte tragen, bis ihre Kronen nachgewachsen sind. Bäume, die bis zu 130 Jahre alt waren, sind bis zu den Wurzeln verbrannt! Die zerstörten Olivenbäume müssen neu gepflanzt werden. Früher produzierten wir 10 Tonnen Öl, und jetzt nichts mehr…»

Zudem muss auf Anordnung des israelischen Gesundheitsministeriums, das das Kloster regelmässig inspiziert, das gesamte Abwassersystem des Weinkellers erneuert werden. Dafür müssen noch die nötigen Mittel gefunden werden.

«Wir müssen den Gürtel enger schnallen»

«Wir müssen den Gürtel enger schnallen, alle nicht dringenden Renovierungsprojekte verschieben – sie fallen einfach unter den Tisch», erklärt er uns. Dabei bräuchte das Kloster dringend eine Auffrischung, denn in den letzten vierzig Jahren wurde nichts unternommen: Die Gemeinschaftsräume sind heruntergekommen, die Elektrik muss komplett erneuert werden, die Risse im Kreuzgang und an den Kirchenmauern müssen ausgebessert werden…

Die Abtei erhebt sich wieder dank Solidarität

Doch die Abtei will sich wieder erheben: Sie hat eine Patenschaftskampagne für Olivenbäume gestartet. Dabei kann eine Spende an die Fondation des Monastères geleistet werden, welche diese an die Abtei Notre-Dame de Latrun für ihr Wiederherstellungsprojekt des Olivenhains weiterleitet. Weitere Unterstützung kam von der Œuvre d'Orient in Paris sowie von der AIDE À L'ÉGLISE EN DÉTRESSE (ACN) zur Reparatur des Stromnetzes. Ein neues Gesuch wurde an ACN gerichtet, um die Renovierung des Gästehauses abzuschliessen, das sich in einem erbärmlichen Zustand befand. «Das sind wir den Pilgern schuldig, die zu uns kommen, um neue Kraft zu schöpfen.»

Um die Folgen des Brandes zu bewältigen, konnte das Kloster von Latrun auch auf die Solidarität der umliegenden Bevölkerung zählen, auch wenn die Ankunft der palästinensischen Saisonarbeiter erschwert war.

Trappistenabtei von Latrun ©ACN

Trappistenabtei von Latrun ©ACN

Abtei von Latrun – Abtei von Sept-Fons

Abtei von Latrun – Abtei von Sept-Fons

Aufruf an die Menschen guten Willens

So hat Pater Aloïs im vergangenen Sommer einen Aufruf an Menschen guten Willens gestartet, um die Reben neu zu pflanzen und die vom Brand verletzten Olivenbäume zu pflegen. In einer zugleich friedlichen und freudigen Atmosphäre fanden sich Israeli und Palästinenser bei den «schweigenden Mönchen» – wie sie in Israel genannt werden – zusammen, vereint im Schweigen durch eine gemeinsame Anstrengung. «Es herrschte ein Klima der Versöhnung. Eine Familie, die im Gaza-Krieg ein Kind verloren hatte, kam, um im Weinberg zu arbeiten, Seite an Seite mit Palästinensern, in einer stillen Brüderlichkeit. Es ist vielleicht nur ein Tropfen auf den heissen Stein, aber es ist ein goldener Tropfen!»

Die Mönche waren tief berührt von diesem Schwung der Grosszügigkeit und Solidarität. Diese Realität zeugt von der einzigartigen Stellung, die die Abtei in dieser Region einnimmt: eine diskrete, stille, aber kostbare Präsenz, die Frieden trägt.

Bruder Athanase, seit einem Jahrzehnt Mönch

Seit einem Jahrzehnt Mönch, lebt Bruder Athanase, ein Ordensmann aus dem Pays de Gex, nahe der Genfer Grenze geboren, seit drei Jahren in Latrun. «Ich bin Sekretär, zuständig für Kommunikation und Mittelbeschaffung, aber auch Krankenpfleger und Mechaniker», bemerkt der französisch-schweizerische Mönch. Mangels Nachwuchs war die Gemeinschaft zunehmend überaltert, doch um ihr neues Leben einzuhauchen, wurden seit 2018 rund zehn junge Mönche entsandt. Die Lage hat sich jedoch seit jenem verhängnisvollen Apriltag verkompliziert, an dem die Mönche angesichts des Flammenmeers evakuiert werden mussten – ebenso wie die benachbarte Gemeinschaft der Seligpreisungen in Emmaus-Nicopolis und die Bewohner des arabisch-israelischen Friedensdorfes Wahat al-Salam – Neve Shalom. Als sie zurückkehren konnten, sahen sie das Ausmass des Schadens.

Ein Kloster, das 1890 zur Zeit des Osmanischen Reiches gegründet wurde.

Das Kloster Latrun wurde im Jahr 1890 während der osmanischen Herrschaft von französischen Mönchen der Abtei Sept-Fons im Département Allier (Region Auvergne-Rhône-Alpes) gegründet und steht seither unter dem Schutz des französischen Staates. Die Trappistenabtei, die zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem gehört, beherbergt eine internationale Gemeinschaft von 18 Mönchen: Franzosen, Belgier, Tschechen, einen Palästinenser und einen Libanesen. Darüber hinaus leben ein Philippiner und ein Argentinier als „an der Abtei interessierte Brüder“ im Kloster. Die Mönche gehören dem männlichen Zweig des Zisterzienserordens der Strengen Observanz (OCSO) an, der besser unter seiner früheren Bezeichnung Trappistenorden bekannt ist.

Essensverteilung im Heiligen Land ©ACN

Essensverteilung im Heiligen Land ©ACN

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