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Kardinal Kurt Koch war am Sonntag, 31. Mai, Ehrengast der traditionellen Wallfahrt für verfolgte Christen in aller Welt, die vom Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) im Kloster Einsiedeln organisiert wurde.
In diesem Jahr war auch der Malteserorden Schweiz Mitveranstalter der Wallfahrt. Die Klosterkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Aus diesem Anlass gewährte der in Rom lebende Luzerner Kardinal KIRCHE IN NOT (ACN) ein Interview.
Jacques Berset für KIRCHE IN NOT (ACN)
Kurt Kardinal Koch beim Interview im Rahmen seines Besuchs in Einsiedeln ©ACN

Kardinal Koch ist mit KIRCHE IN NOT seit vielen Jahren eng verbunden. Er arbeitete besonders mit den nationalen Büros in der Schweiz und in Deutschland zusammen und verfügt über grosse Erfahrung im ökumenischen und interreligiösen Dialog, die auch für die Arbeit von KIRCHE IN NOT vor Ort von grosser Bedeutung ist.
Im Interview erklärte Kardinal Koch, seine Ernennung zum Präsidenten von KIRCHE IN NOT (ACN) International sei eine persönliche Entscheidung von Papst Leo XIV. gewesen. Nachdem er im vergangenen Jahr seinen 75. Geburtstag gefeiert hatte und gemäss Kirchenrecht dem damaligen Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten hatte, wurde er vorläufig von Papst Leo XIV. als Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen bestätigt. Dieses Amt bekleidet er seit Juli 2010. Zudem ist er Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. «Der Papst kann selbst entscheiden, ob ich bleiben oder gehen soll. In jedem Fall werde ich bis zum Alter von 80 Jahren in Rom bleiben, da ich Mitglied verschiedener weiterer Dikasterien bin.»

Gemeinsam mit Kardinal Kurt Koch feierten Abt Urban Federer von Einsiedeln, der neue Abt von Saint-Maurice Alexandre Ineichen, dessen Vorgänger Jean Scarcella sowie über zwanzig Priester und Diakone die Heilige Messe. Im Rahmen der Wallfahrt wurden bei den Fürbitten Kerzen zum Gedenken an Christen entzündet, die Opfer von Verfolgung und Diskriminierung geworden sind: im Irak, wo die Zahl der Christen seit der amerikanischen Invasion 2003 von 1,4 Millionen auf rund 140'000 gesunken ist; in Haiti, wo die Ordensschwestern Evanette Onezaire und Jeanne Voltaire von bewaffneten Banden ermordet wurden; in Pakistan, wo die 14-jährige Christin Saba von islamistischen Nachbarn entführt und zur Zwangsheirat gezwungen wurde; sowie in Indonesien, wo der 28-jährige Religionslehrer Rufinus auf offener Strasse erschossen wurde. In seinem Gebet zum «Vater im Himmel» erinnerte Kardinal Koch daran: «dass der Glaube ein Geschenk, ihn zu bezeugen ein Recht ist.»
Kardinal Koch:
«Er hatte Vertrauen, dass ich diese Aufgabe übernehmen kann. Zudem hat ihn wohl Kardinal Piacenza beraten, der das Hilfswerk 14 Jahre lang als erster Präsident seit der Errichtung von KIRCHE IN NOT (ACN) als päpstliche Stiftung geleitet hat. Ich habe diese Aufgabe als sehr gerne übernommen, weil KIRCHE IN NOT (ACN) mir immer sehr am Herzen lag. Es ist ein päpstliches Hilfswerk, das sehr viel Gutes tut, aber auch immer wieder in Erinnerung ruft, wie viele Teile der Kirche in grosser Not sind. Und dazu etwas beizutragen, ist mir ein grosses Anliegen.»

Kardinal Koch erinnerte daran, dass Papst Franziskus eine Kommission für die neuen Märtyrer eingesetzt hat, die die Christen aller Konfessionen in ein Verzeichnis der Märtyrer aufnehmen soll. Christen würden nicht wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche verfolgt, sondern wegen ihres Glaubens an Christus.


Im April dieses Jahres schrieben Sie anlässlich des Gedenkens an den armenischen Völkermord von 1915, die Opfer seien «Zeugen, die uns daran erinnern, dass das Martyrium kein Randphänomen des Christentums ist, sondern dessen schlagendes Herz».
Kardinal Koch:
«Das Martyrium gehört tatsächlich zum Herzen des Christentums. Heute gibt es mehr Märtyrer als in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte. Das Christentum ist die am stärksten verfolgte Religion der Welt. Rund 80 Prozent aller Menschen, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt werden, sind Christen verschiedener Kirchen. Diktatoren unterscheiden nicht zwischen Katholiken, Orthodoxen, Lutheranern, Anglikanern oder Protestanten. Papst Johannes Paul II. sprach deshalb von einer wahren ‚Ökumene des Blutes‘. Das vergossene Blut verbindet die Christen über ihre Trennungen hinweg. Das ist eine zentrale Realität der Ökumene unserer Zeit.»
Am Nachmittag versammelten sich zahlreiche Pilger im Kultur- und Kongresszentrum ZWEI RABEN zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel «Kirche im Spannungsfeld von Krieg, Verfolgung, Hilfe und Diplomatie. Wo wächst Hoffnung?». Die Gesprächsrunde bot vertiefte Einblicke in die Herausforderungen, mit denen Christen in verschiedenen Krisenregionen der Welt konfrontiert sind.

Der Schweizer Kardinal Kurt Koch und Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln beim Podium ©ACN

Unter der Moderation von Mariano Tschuor, ehemaliger Direktor der RTR (Radiotelevisiun Rumantscha), Mitglied der nationalen Geschäftsleitung der SRG SSR und Gesamtprojektleiter des Klosterprojekts «Aufbruch ins Weite – Mariastein 2025», diskutierten Kardinal Kurt Koch, Präsident von KIRCHE IN NOT (ACN) International und Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Kinga von Schierstaedt, Leiterin des Afrika-Teams von KIRCHE IN NOT (ACN) International, Thomas Fritsche, Vizepräsident des Malteserordens Schweiz, sowie Abt Urban Federer, seit 2013 59. Abt der Territorialabtei Einsiedeln. Die Podiumsteilnehmer beleuchteten aus unterschiedlichen Perspektiven die Situation der Christen in Konfliktgebieten und zeigten auf, wie Kirche, Diplomatie und konkrete Hilfe dazu beitragen können, Hoffnung zu bewahren und neue Perspektiven zu eröffnen. Besonders deutlich wurde dabei, dass christliche Gemeinschaften vielerorts trotz Krieg, Verfolgung und Not Zeugnis von Glauben, Versöhnung und Nächstenliebe geben.

Christen im Nahen Osten werden ausgegrenzt, verfolgt,und verlieren ihre Lebensgrundlage. Kriege, religiöse Diskriminierung und wirtschaftliche Not zwingen viele, ihre Heimat zu verlassen. Mit jeder Krise nimmt ihre Zahl ab. Im Libanon spitzt sich die Lage zu. Mit Ihrer Hilfe kann KIRCHE IN NOT (ACN) Nothilfe für Vertriebene, Seelsorge für Traumatisierte leisten und die katholischen Schulen vor dem Untergang retten. So erhalten Kinder dank Ihrer Nächstenliebe Bildung, Schutz und eine Chance auf eine Zukunft.

























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