Israelische Siedler attackierten das christliche arabische Dorf Taybeh in Westjordanland. Foto vom Sommer 2025. (Bild: ACN)

Israelische Siedler attackierten das christliche arabische Dorf Taybeh in Westjordanland. Foto vom Sommer 2025. (Bild: ACN)

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„Klima der Angst“ im letzten christlichen Dorf des Westjordanlands

Der Pfarrer von Taybeh im Westjordanland schlägt Alarm: Die Sicherheitslage für die dort lebenden Christen verschlechtere sich spürbar.

Gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) sprach Pfarrer Bashar Fawadleh von einer „zunehmenden Belastung“ für die rund 1400 Einwohner sowie von einem „Mangel an Schutz“.
Taybeh – das biblische Ephraim – liegt östlich von Ramallah und gilt als das letzte mehrheitlich christliche Dorf im Westjordanland. Während früher bis zu 15 000 Menschen dort lebten, ist die Bevölkerung heute stark geschrumpft. Nach Angaben des Pfarrers sind die Bewohner seit Jahren Angriffen und Einschüchterungen durch israelische Siedler ausgesetzt. Dazu zählen Brandanschläge auf Felder, beschädigte Fahrzeuge, Angriffe auf kirchliche Gebäude sowie Drohungen und Hassparolen.

Alltag unter wachsendem Druck

Zusätzliche Belastungen entstehen durch zahlreiche militärische Kontrollpunkte an den Zufahrtsstrassen. In den vergangenen Wochen sei ein weiterer Checkpoint errichtet worden, berichtete Fawadleh. Die ständigen Kontrollen erschwerten den Alltag erheblich und schnitten viele Bewohner von Arbeitsplätzen und landwirtschaftlichen Flächen ab.

Besondere Sorge bereitet dem Pfarrer zudem eine Entscheidung der israelischen Regierung vom 8. Februar 2026. Diese sieht vor, zivile und administrative Zuständigkeiten im Westjordanland stärker unter israelische Kontrolle zu stellen. Fawadleh befürchtet, dass dadurch der Ausbau von Siedlungen erleichtert und Landkäufe durch Siedler begünstigt werden. „Mit der neuen Entscheidung wird der Druck weiterwachsen“, sagte er. Die Bevölkerung fühle sich zunehmend schutzlos: „Die Gewalt schafft ein Klima der Angst und Unsicherheit.“

Zukunftssorgen treiben Christen zur Auswanderung

Die anhaltenden Spannungen verstärken die Zukunftsängste vieler Christen. „Der Gedanke an Auswanderung wird immer präsenter“, erklärte der Pfarrer. Zwischen 2023 und 2025 hätten bereits 16 christliche Familien Taybeh verlassen. Weitere würden ernsthaft darüber nachdenken. Hauptgründe seien die unsichere Lage sowie fehlende wirtschaftliche Perspektiven.

Bashar Fawadleh Pfarrer von Taybeh im Westjordanland. (Foto: Ilona Budzbon und ACN)

Bashar Fawadleh Pfarrer von Taybeh im Westjordanland. (Foto: Ilona Budzbon und ACN)

Die israelische Mauer zwischen dem Westjordanland und Israel. (Foto: ACN)

Die israelische Mauer zwischen dem Westjordanland und Israel. (Foto: ACN)

Zeugnis des Glaubens

Trotz der schwierigen Situation ermutigt Pfarrer Fawadleh die Christen, wenn möglich in ihrer Heimat zu bleiben. Taybeh sei ein bedeutendes Zeichen christlicher Präsenz im Heiligen Land. „Zu bleiben ist oft ein Akt des Glaubens und der Hoffnung“, betonte er. Gleichzeitig brauche es konkrete Unterstützung – etwa durch Arbeitsmöglichkeiten, Perspektiven für junge Menschen und stärkeren Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde.

Von der internationalen Gemeinschaft fordert der Priester mehr Aufmerksamkeit für die Lage vor Ort sowie wirksame Massnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung und religiöser Stätten. Auch die Weltkirche sei aufgerufen, ihre Stimme zu erheben und konkrete Hilfe zu leisten. Organisationen wie KIRCHE IN NOT (ACN) könnten insbesondere durch Projekte in den Bereichen Bildung, Wohnraum, Arbeit sowie psychologische und pastorale Begleitung einen wichtigen Beitrag leisten.

Appell an die Weltkirche

Abschliessend richtet der Pfarrer einen eindringlichen Appell an Christen weltweit: „Taybeh ist nicht nur ein Dorf – es ist ein lebendiges Zeichen der christlichen Präsenz im Heiligen Land.“ Gläubige seien aufgerufen, für die Menschen vor Ort zu beten und sie auch konkret zu unterstützen, damit diese Gemeinschaft nicht zu einer blossen Erinnerung werde.

In Betlehem produzieren verschiedene christliche Familien religiöse Produkte aus Olivenholz, die sie in alle Welt exportieren. (Foto: ACN)

In Betlehem produzieren verschiedene christliche Familien religiöse Produkte aus Olivenholz, die sie in alle Welt exportieren. (Foto: ACN)

Hilfe für Christen im Heiligen Land

Die Situation der Christen im Heiligen Land ist seit Jahren dramatisch. KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt die dortigen Christen mit konkreter Hilfe, indem wir dem seelsorgerlichen Personal beistehen und wir in der Schweiz Produkte von christlichen Manufakturen in unserem Online-Shop anbieten, um so der lokalen christlichen Industrie beizustehen, da der Tourismus in dieser Region in den letzten Jahren spürbar abnahm.

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