Ein Gottesdienst mit Pfarrer Youssef Semaan im Libanon. (Foto: ACN)

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Innerhalb weniger Monate ist die christliche Gemeinde im südlibanesischen Dorf Al-Kfour nahezu verschwunden: Von rund 120 Gläubigen leben heute nur noch knapp ein Dutzend dauerhaft vor Ort.
Für den maronitischen Pfarrer Youssef Semaan ist diese Entwicklung mehr als eine Folge der anhaltenden Kämpfe. Sie wirft die Frage auf, ob das über Jahrzehnte gewachsene Vertrauen und Zusammenleben den Krieg überstehen können. Daran hat er grosse Zweifel, wie er gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) erklärte.
Die christliche Präsenz im südlichen Libanon unübersehbar. (Foto: ACN)

„Vor vielen Jahren beschloss ich, nach Al-Kfour zurückzukehren, um Zeugnis davon zu geben, dass Vergebung möglich ist. Doch der aktuelle Krieg zerstört nach und nach das Vertrauen. Das Zusammenleben wird immer schwieriger“, sagte Semaan.
Mit Al-Kfour verbindet ihn eine persönliche und schmerzliche Familiengeschichte: Sein Vater Khalil, ebenfalls maronitischer Priester – in der maronitischen Kirche können verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden –, wurde am 2. Dezember 1987 während des libanesischen Bürgerkriegs auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe entführt und starb Jahre später in Gefangenschaft.
Trotz dieses Schicksals entschied sich Youssef Semaan, selbst Priester zu werden und dort als Seelsorger zu wirken, wo sein Vater entführt wurde. Für ihn war dies ein bewusstes Zeichen, dass Gewalt nicht das letzte Wort haben darf. Nun erlebt er erneut, wie Krieg Menschen aus ihrer Heimat vertreibt und das gewachsene Miteinander zerstört.
Seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März seien viele Familien nach Beirut oder Sidon geflohen. Manche hätten keine Möglichkeit gehabt zu bleiben, andere ihre gesamte Existenz zurücklassen müssen. „Einige hatten nicht die Mittel, um wegzugehen. Andere besitzen Vieh und konnten sich nicht damit abfinden, es zurückzulassen“, berichtete der Priester.
Auch Semaan selbst musste sein Dorf aus Sicherheitsgründen verlassen. Mit den verbliebenen Familien hält er täglich über Nachrichten Kontakt.
Die Lage hat sich zuletzt weiter verschärft: In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni wurden nach Angaben des Priesters drei Häuser von Gemeindemitgliedern zerstört. Auch sein eigenes Haus sei beschädigt worden. „Jede Woche ist gefährlicher als die vorherige. Die Situation ist unerträglich geworden“, sagte Semaan.
Viele Familien stünden inzwischen vor einer Entscheidung, die weit über die aktuelle Krise hinausreiche: bleiben und ihr Leben riskieren – oder ihre Heimat verlassen, ohne zu wissen, ob eine Rückkehr jemals möglich sein wird.
Trotz allem hält der Priester an der Hoffnung fest: „Wir bewahren uns die Hoffnung. Aber Hoffnung allein reicht nicht aus. Sie muss sich auf konkrete Grundlagen stützen, die es uns ermöglichen, wieder aufzubauen und weiterzuleben.“
Pfarrer Youssef Semaan mit einem Bild der Gottesmutter in seiner Kirche im Libanon. (Foto: ACN)

Essensausgabe für Vertriebene in einem Kloster in der Bekaa Ebene. (Archivbild: ACN)

KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt im Libanon pastorale und humanitäre Hilfen für Gemeinden und Familien, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind. Mit Ihrer Unterstützung können Menschen vor Ort werden mit Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser und Hygieneartikeln versorgt werden. Dies bewirkt auch, dass die Christinnen und Christen vor Ort Hoffnung, da ansonsten viele die Auswanderung als letzte Chance ansehen. Ihre Hilfe gibt den Gläubigen Kraft und Hoffnung. Lassen wir sie nicht im Stich!
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