Nothilfe für den Wiederaufbau christlicher Häuser in Aleppo ©Hope Center

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Vor Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 lebten rund 1,5 Millionen Christen in Syrien. Heute sind es nur noch etwa 300 000, stellt ACN fest
Ein halbes Jahrhundert Diktatur, 14 Jahre Krieg und die interkonfessionelle Gewalt nach dem Sturz des Assad-Regimes haben die religiöse und ethnische Vielfalt Syriens massiv geschwächt. Besonders gefährdet sind die Minderheiten – darunter Alawiten, Schiiten, Kurden und Christen. Seit 2011 ist die christliche Gemeinschaft Syriens stark geschrumpft. Wer geblieben ist, lebt wie die gesamte Bevölkerung unter schwierigen Bedingungen: Die Menschen sind von Armut, Angst und anhaltender Unsicherheit geprägt.
Jacques Berset, für ACN
Pater Gerald Baumgartner auf einem Gipfelkreuz oberhalb von Zermatt

Auf Einladung des katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN) aus Luzern berichtete der österreichische Jesuitenpater Gerald Baumgartner vom 15. bis 23. August in verschiedenen Pfarreien der Deutschschweiz über die schwierige Lage der Christen in Syrien. Der 32-jährige Jesuit lebte von 2021 bis 2023 in Homs im Westen des Landes und widmete sich dort vor allem der Jugendarbeit. Nach seiner Priesterweihe 2025 in Innsbruck kehrte er nach Syrien zurück. Heute ist er in Aleppo tätig, wo er Jugendliche begleitet und sich im ökumenischen Dialog engagiert.
Die Lage vor Ort ist dramatisch: Viele Menschen leben in grosser Armut, Strom und Trinkwasser sind knapp, und die staatlichen Strukturen funktionieren kaum noch. Auch die medizinische Versorgung ist prekär. Krankenhäuser wurden zerstört, Medikamente und Ärzte fehlen. Für die meisten Menschen sind lebenswichtige Behandlungen nicht bezahlbar. Die Folgen des Bürgerkriegs sind bis heute im Alltag spürbar.
Auch die christliche Minderheit sieht ihre Zukunft zunehmend gefährdet. Das ist besonders bitter in einem Land, in dem das Christentum seit seinen Anfängen vor rund 2000 Jahren verwurzelt ist.
Nach Einschätzung von KIRCHE IN NOT (ACN) brauchen die Christen, die im Land geblieben sind, deshalb umso mehr unsere Solidarität. Das Hilfswerk unterstützt die christliche Bevölkerung unter anderem mit medizinischer Nothilfe und kostenloser Milch für Kinder unter zehn Jahren. Gleichzeitig fördert ACN Projekte, die jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen. Dazu gehört etwa ein Begegnungszentrum der Jesuiten in Homs, wo Jugendliche Gemeinschaft erleben und ihre Ausbildung fortsetzen können.
Der österreichische Jesuitenpater Gerald Baumgartner ©ACN

Für die Christen von Saidnaya dürfte der restliche Sommer ruhig und ungewöhnlich still verlaufen, berichtet die libanesische Tageszeitung «L’Orient-Le Jour». Die rund 30 Kilometer nördlich von Damaskus am Fuss des Qalamun-Gebirges gelegene Stadt ist einer der wichtigsten historischen Orte des syrischen Christentums und ein bedeutendes Ziel für Pilger und religiöse Touristen.
Die Pfarreien der griechisch-orthodoxen, syrisch-orthodoxen und griechisch-katholischen Gemeinschaften haben angekündigt, sämtliche für August und September geplanten öffentlichen Feiern abzusagen.
Die lokalen Kirchen beklagen die ungerechtfertigte Inhaftierung von Gläubigen sowie Verleumdungskampagnen im Internet. Darin sehen sie ein Wiederaufflammen der konfessionellen Spannungen, die während des Krieges entstanden sind. Die Feste der Verklärung des Herrn, der Aufnahme Mariens in den Himmel, der Kreuzerhöhung und der heiligen Sophia sollen deshalb nicht öffentlich gefeiert werden. Auch die Pfadfinder werden nicht durch die Strassen ziehen, und die traditionellen Karnevalsfeiern fallen aus. Gebetet wird weiterhin – allerdings nur innerhalb der Kirchen.
Die Christen in Syrien sind noch immer traumatisiert vom Selbstmordanschlag auf die griechisch-orthodoxe Kirche St. Elias (Mar Elias) im christlichen Viertel Douilaa in Damaskus. Am 22. Juni 2025 sprengte sich dort während einer Messe ein islamistischer Attentäter in die Luft. 30 Menschen wurden getötet, zahlreiche weitere verletzt. Nach 14 Jahren Bürgerkrieg war ein Anschlag mitten in einer Kirche für viele syrische Christen kaum vorstellbar.
Nur wenige Tage später wurde im mehrheitlich christlichen Dorf Al-Sura in der Region Suweida im Süden des Landes die melkitisch-griechisch-katholische Kirche St. Michael von Al-Sura Al-Kabira angegriffen und in Brand gesetzt. Unbekannte Täter zerstörten zudem Dutzende Häuser von Christen.
Nothilfe für den Wiederaufbau christlicher Häuser in Aleppo ©Hope Center

In einem weiteren Fall konnten Sicherheitskräfte gemeinsam mit Bewohnern des Dorfes Al-Kharibat bei Tartus einen geplanten Autobombenanschlag auf die maronitische Kirche Mar Elias verhindern. Die Angriffe auf christliche Gemeinschaften in verschiedenen Teilen Syriens zeigen, wie fragil die Sicherheitslage weiterhin ist – und sie verstärken die Angst unter den Gläubigen, warnt ACN.
Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 und der Einnahme von Damaskus durch Islamisten unter Führung der dschihadistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS) wurde Syrien zudem von Hunderten israelischen Luftangriffen getroffen. Im Südwesten des Landes besetzte die israelische Armee ausserdem die entmilitarisierte Zone zwischen Syrien und den von Israel völkerrechtswidrig annektierten Golanhöhen.
Trotz ihrer eigenen schwierigen Lage setzen sich die Christen weiterhin unermüdlich für andere Menschen ein. Mit ihren Krankenhäusern, Schulen und zahlreichen sozialen Initiativen leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Bevölkerung.
Ein Beispiel dafür ist das Hope Center Syrien, das sich für junge Menschen und ihre berufliche Zukunft einsetzt. Das 2018 gegründete und von der Kirche unterstützte Projekt ist in Aleppo, Homs und Damaskus tätig. Es hilft vor allem Christen, die trotz der schwierigen Lage im Land geblieben sind.
Rund 15 christliche Hilfsorganisationen, darunter ACN, unterstützen das Hope Center. Ziel ist es, wirtschaftliche Aktivitäten, die durch den Krieg zum Erliegen gekommen sind, wieder aufzubauen oder neue Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei, christliche Familien wirtschaftlich unabhängig zu machen. So sollen sie ermutigt werden, in ihrer Heimat zu bleiben und weiterhin zum wirtschaftlichen Leben des Landes beizutragen.
Eine Frau mit Behinderung in den Ruinen der armenisch-katholischen Kathedrale von Aleppo ©Ismael Martin Sanchez

Lebensmittelverteilung für ältere Menschen durch das lateinische Vikariat von Aleppo ©ACN

Mit Ihrer Spende stärken Sie die Ortskirche in dieser schwierigen Zeit. Sie ermöglichen die Ausbildung von Priestern, fördern Sommerlager und Glaubensangebote für Kinder und Jugendliche und unterstützen Pfarreien dabei, Familien zu begleiten und ihnen Hoffnung zu schenken. So tragen Sie dazu bei, dass die christlichen Gemeinden auch in Zukunft in ihrer Heimat bleiben können. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und Ihr Gebet.
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